MYKI- Österreichischer Kinderschutzpreis

Bedside Counseling

Unfallanalyse und Präventionsberatung bei stationär behandelten Unfallopfern an der Kinder- und Jugendchirurgie Graz
www.grosse-schuetzen-kleine.at

Prävention
Preisübergabe

Das Projekt „Kindersicherheitsberatung im Krankenhaus“ ist ein internationales Good Practice Projekt, welches von „Beterem/Safe Kids Israel“, im Jahr 2003 entwickelt wurde.

Dieses Projekt verfolgt Ziele auf drei Metaebenen: die Erhebung der genauen Unfallumstände und deren Analyse, Verbesserung des Wissenstandes durch eine dem Alter des Kindes entsprechende Unfallpräventionsberatung sowie die Effektivitätskontrolle der Aufklärungsgespräche.

In einem Zeitraum von September 2014 bis Mai 2015 konnten 272 Personen im  Krankenhaus erreicht werden, was rund 30% der möglichen Zielgruppe entspricht.
Beinahe 50% der in diesem Zeitraum behandelten stationären PatientInnen waren unter 6 Jahre alt. Bezogen auf den Altersstatus innerhalb der Familie waren zu 62% die jüngsten Kinder vom Unfallbetroffen. 38% der Kinder kamen aus Graz / Großstadt, 10% aus einer Bezirksstadt und 52% aus dem ländlichen Bereich. Mehr als die Hälfte der behandelten Kinder wohnte in einem Haus.
Der aktuelle Unfall, der zu diesem stationären Aufenthalt führte, ereignete sich zu knapp  50% im eigenen Wohnbereich oder Garten. In Summe waren es 60% der Unfälle, die im Zusammenhang mit dem Gehen, Laufen und Herunterfallen standen.
Bei mehr als der Hälfte der stationär aufgenommenen Kinder war der Kopf verletzt. Nur 11% der verunfallten Kinder waren zum Unfallzeitpunkt alleine, in 36% der Fälle waren andere Kinder dabei und in insgesamt 53% der Fälle waren Erwachsene anwesend.

Im Fragenkomplex zur Psychologie des Risikos wurden die Ausprägungen von Neugier, Risikobereitschaft, Belohnungsabhängigkeit und Unfallcheckliste analysiert Des Weiteren wurden auch mögliche Zusammenhänge zwischen dem Alter der Kinder und den Dimensionen Neugier, Risikobereitschaft, Belohnungsabhängigkeit und Unfallcheckliste untersucht.
Diese Ergebnisse des psychologischen Teiles zeigen, dass die Begleitpersonen vom Unfall offenbar so stark traumatisiert sind, dass die Sicherheit sehr groß geschrieben wird, und unter diesem Gesamteindruck kein realitätsnahes Alltagsbild abgebildet werden kann. Aus diesem Grund sollte eine psychologische Befragung im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Unfall überdacht werden, da die Ergebnisse keine speziellen und individuellen Präventionsansätze zulassen.

In einem Abstand von 6-8 Wochen zur Beratung im Krankenhaus erfolgte eine kurze Nachbefragung mittels Telefon. 75 Personen konnten dafür gewonnen werden.

Am meisten Nachwirkung zeigte der Unfall bei den Eltern. Hier gaben 56% (n=42) an, bei sich Verhaltensveränderungen festgestellt zu haben. Unter den Nennungen wurden „mehr aufpassen“ und „mehr Unfallangst“ am häufigsten erwähnt.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Veränderungen am zu Hause bei den jüngsten Verunfallern stattfinden und Verhaltensveränderungen vor allem bis zum Volksschulalter zu erwarten sind. Ab Ende des Volksschulalters dürfte der Unfall einen eher geringen Eindruck bei Kind und Elternteil hinterlassen.

Die Prävention am Krankenbett macht vor allem bei Eltern, die ihr Kind bis zu einem Alter unter 10 Jahren stationär begleiten, Sinn, und hier insbesondere bei Kleinkindern. Denn die Eltern von jungen Kindern werden sehr stark von Schuldvorwürfen geplagt, welche mit einem Gespräch über den Unfall genommen werden können. Zudem sind diese Eltern zu diesem Zeitpunkt sehr aufnahmebereit für Präventionstipps und setzen Maßnahmen zur Unfallverhütung in weiterer Folge auch zu Hause sehr häufig um.

Um mit dieser Beratung möglichst viele Eltern von Kleinkindern erreichen zu können, wäre ein möglicher Ansatz, dass (ausgewähltes) Pflegepersonal mit diesem Punkt betraut, von GROSSE SCHÜTZEN KLEINE zusätzlich ausgebildet und durativ betreut wird.